Fachworkshop „Digitale Transformation in Schleswig-Holstein“

Fachworkshop „Digitale Transformation in Schleswig-Holstein“

Eine Veranstaltung der Fachkräfteinitiative Schleswig-Holstein

“Wie werden wir in Zukunft arbeiten, […] wie wollen wir in Zukunft arbeiten und wie schaffen wir es, dass wir es auch können? [...]” (Andrea Nahles, Auszug Abschlusskonferenz Weißbuch - Arbeit 4.0)

Wie wird sich die Arbeitswelt in den kommenden Jahrzehnten entwickeln? Ohne Zweifel,  als einer der großen Treiber der Arbeitswelt gilt die Digitalisierung: sie ist omnipräsent. Ob nun als Herausforderung oder Chancengeber - die Digitalisierung ist maßgeblich für die weitere Entwicklung der Arbeitswelt 4.0 verantwortlich. Der Begriff Arbeitswelt 4.0 beschreibt hierbei nicht allein den physischen Austausch von neuer Informations- und Kommunikationstechnologie, sie umfasst die zunehmende weltweite Vernetzung, Schaffung neuer Arbeitsfelder, neue Arbeitsformen und auch neue rechtliche Rahmenbedingungen. Der Wandel von Wirtschaft und Gesellschaft, von Arbeitsleben und Freizeit ist so grundlegend und vielfältig,  dass eine einfache one-fits-all-Lösung hierfür nicht geschaffen werden kann.

Wie wollen wir diese digitale Transformation aktiv mitgestalten?

Zu dem Fachworkshop “Digitale Transformation in Schleswig-Holstein” und einer Auseinandersetzung mit dieser Frage luden das KoFW (Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung und Weiterbildung Schleswig-Holstein) und das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus Schleswig-Holstein am 27.03.2018 in das Kieler Landeshaus ein.

Sebastian Schulze moderierte den Fachworkshop

Dass der große Treiber der Arbeitswelt - die Digitalisierung - für viele ein wichtiges Thema ist, zeigte sich schnell an der großen Resonanz auf die Veranstaltungseinladung. Für das Rahmen-programm des Fach-workshops wurde eine Vielzahl von Vertreterinnen und Vertretern von Land und Wirtschaft eingeladen. Mit Prof. Dr. Tobias Kollmann, Inhaber des Lehrstuhls für E-Business und E-Entrepreneurship an der Universität Duisburg-Essen konnte ein hochkarätiger Experte auf dem Gebiet der digitalen Transformation gewonnen werden. Die zweite Keynotespeakerin, viel näher am Geschehen und mit besonderem Blick auf die Praxis, war die digitale Gründerin Nicole Driemeier von der Unternehmensberatung GOODWERK mit ihrem Vortrag “Chancen und Stolpersteine der Digitalisierung für Start-Ups in Schleswig-Holstein”.

Eine anschließende Podiumsdiskussion mit Margit Haupt-Koopmann, Geschäftsführerin der Bundesagentur für Arbeit Regionaldirektion Nord,Michael Fröhlich, Hauptgeschäftsführer des UV Nord,  Staatssekretär Dr. Thilo Rohlfs sowie Uwe Polkaehn, Vorsitzender des DGB Nord, sollte dabei die Ergebnisse des Fachworkshops vertiefen.

Durch den Abend führte Sebastian Schulze, Projektleiter im KoFW sowie sowie Geschäftsführer und Pressesprecher des UV Nord, gemeinsam mit der tatkräftigen Unterstützung eines kleinen Roboters mit dem Namen Max.

Roboter Max stellt sein Können als Co-Moderator unter Beweis

Ursprünglich sollte Roboterdame Emma die Veranstaltung begleiten doch sie schickte uns ihren Roboterkollegen Max – ebenfalls ein Prototyp der FH Kiel, mit dem die Einsatzmöglichkeiten von Robotern in der Altenpflege erprobt werden. Seit Anfang 2017 wird Emma bereits alle 1-2 Wochen einer Demenz-WG in Kiel eingesetzt, um Erkenntnisse darüber zu gewinnen, wie kleine Roboter wie Emma in der Altenpflege die Pflegenden unterstützend zur Seite stehen können. Dies ist ein Beispiel dafür, wie die Digitalisierung die zukünftige Arbeit in der Pflegebranche erleichtern könnte. Dieses Projekt wird von der Fachhochschule Kiel in Zusammenarbeit mit der Diakonie Altholstein in Kiel umgesetzt. Das Ziel des gemeinsamen Projektes ist es den ersten auch tatsächlich praktisch einsetzbaren Roboter zu entwickeln.

Max beim Gruppenfoto mit der oncampus GmbH

Herr Schulze eröffnete den Abend mit der Vorstellung des Roboters Max. Der Roboter wurde von den Teilnehmenden schnell ins Herz geschlossen. Mit seiner Begrüßungsrede und seinen Tanzeinlagen lockerte er den Workshop zwischen den Keynote-Vorträgen und Diskussionen angenehm auf. Eine Vielzahl von Selfies oder auch Gruppenbilder sind dabei vom kleinen Max mit den Besuchern entstanden. Viele nutzten auch lange nach dem Workshop die Möglichkeit Max interaktiv zu erleben und tanzen zu sehen. Auch ein Projektpartner im KoFW - die oncampus GmbH - ließ es sich nicht nehmen, ein Erinnerungsfoto mit Max zu erhalten.

Staatssekretär Dr. Thilo Rohlfs eröffnete den Fachworkshop

Dr. Thilo Rohlfs, Staatssekretär im Ministeriumfür Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus begrüßte die Referierenden und das Publikum und bedankte sich bei den fünf Projektpartnern des KoFW für die Organisation und Umsetzung der Veranstaltung. In seiner Rede erklärte er den Breitbandausbau mit Glasfaser als wichtiges Ziel in Schleswig-Holstein, um die Wettbewerbsfähigkeit für Unternehmen zu erhalten und gleichermaßen zu stärken. Er griff  aber auch die Herausforderung der Digitalisierung in puncto Big Data auf und stellte Fragen zum Umgang mit Datenschutz und dazu, wie die möglichen Chancen der Digitalisierung - Arbeitszeit und Arbeitsort flexibler wie noch nie zu gestalten oder auch der Möglichkeiten innovative neue Dienstleistungen und Produkte zu entwickeln - effektiv genutzt und kurzfristig umgesetzt werden können. Dr. Thilo Rohlfs sprach hierbei die möglichen Spannungsfelder der Digitalisierung an, wofür kurzfristig Lösungen und auch Anreize für Unternehmen geschaffen werden müssen. Das langfristige Ziel soll dabei sein, dass Schleswig-Holstein in Deutschland zum Vorreiter der Digitalisierung wird.

Erste Beispiele aus der Praxis lieferte im Anschluss die erste Keynotespeakerin Nicole Driemeier. Sie führt das junge StartUp-Unternehmen GOODWERK und ist im Bereich der Unternehmensberatung mit dem Schwerpunkt Personal- und Organisationsentwicklung tätig.

In ihrem Vortrag legte sie den Schwerpunkt auf die Chancen und Stolpersteine der Digitalisierung für StartUps in Schleswig-Holstein. Sie berichtete, dass die Digitalisierung eine Chance für junge Unternehmen biete und zeigte diese Chance anhand eines praktischen Kostenbeispiels auf: durch die Digitalisierung würden Märkte transparenter, Ressourcen könnten kostengünstiger und zeiteffizienter erworben werden - für StartUps in der frühen Gründungsphase aus ihrer Sicht ein wichtiger Erfolgsfaktor. Sie zeigte aber auch auf, dass Gründerberatung im Einklang mit der Digitalisierung mit Stolpersteinen verbunden ist. Es existierten aus ihrer Sicht Fördermöglichkeiten für StartUps, welche jedoch größtenteils nicht abgerufen würden. Woran genau liegen hier die Schwierigkeiten? Nicole Driemeier berichtete von Ihren Erfahrungen aus der Praxis, dass der administrative Aufwand um die Förderung zu erhalten in den seltensten Fällen lohnenswert ist und sie sich als Gründungsberaterin die Frage stellt, wie schnell die Förderung selbst durch das Unternehmen wieder eingespielt würde.

Sie erzählte wie GOODWERK vor allem die Chancen der Digitalisierung nutze - etwa das ort- und zeitunabhängige Arbeiten. Zusammen mit ihrem Mitarbeiter Herrn Hannes Volkmer erfolge die Zusammenarbeit “frei von Zeit und Ort”. Dabei arbeiten die beiden zu 33 %  im Home-Office, 33%  beim Kunden vor Ort und 33  Mobil, bspw. in Co-Working Spaces. Die freie Arbeitsorganisation und auch Zeiteneinteilung unterstütze auch deren Privatleben. Um weiter produktiv und kreativ zu arbeiten, nimmt sich GOODWERK gerne auch Zeit für branchenfremde Projekte wie der Umbau eines Zigarettenautomaten in eine Wissen-to-go Maschine oder plant auch mal eine längere Reise, um mit neuer Energie in die folgenden Arbeitsprojekte zu starten. 

Nicole Driemeier von Goodwerk berichtete über Chancen und Stolpersteine der Digitalisierung

Dass die digitale Transformation nicht im Computer, sondern im Kopf beginnt, thematisierte der zweite Keynotespeaker Prof. Dr. Tobias Kollmann von der Universität Duisburg-Essen.Seit 1996 befasst sich Prof. Dr. Kollmann bereits mit wissenschaftlichen- und praxisorientierten Fragestellungen rund um das Thema der digitalen Transformation von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Er zählt als Forscher, Berater und Experte zu den 50 wichtigsten Köpfen der deutschen StartUp Szene. Er beschreibt die Digitalisierung in Deutschland als 3 Säulen-Modell: Breitband, Industrie 4.0 und die digitale Wirtschaft. Essenziell für den wirtschaftlichen Erfolg sei der Transport und Nutzung von Daten. Als ein Beispiel für die effektive Nutzung von Daten und einer Plattform beschrieb er Amazon Alexa. Er demonstrierte wie zukunftsorientiert Anbieter wie Amazon denken und das Einkaufsverhalten ihrer Konsumenten vorauszusehen versuchen.  Durch Alexa müsse ein Konsument nicht einmal mehr auf die Seite eines Online-Shops gehen um einzukaufen. Der Einkaufswunsch wird nur noch kommuniziert und Alexa löst die Bestellung aus: der Online-Einkauf wird so weiter automatisiert. 

Keynotespeaker Prof. Dr. Tobias Kollmann
Podiumsdiskussion mit allen geladenen Gästen

Damit deutsche Unternehmen die digitale Transformation effizient für sich nutzen können, benötigt Deutschland laut Prof. Dr. Kollmann „digital Leader“. Der digitale Wandel sei nicht als Knopf zu sehen, den jedes Unternehmen nur drücken müsse. Um dauerhaft wettbewerbsfähig zu bleiben, müssten „digital Leaders“ folgen, die die notwendigen Skills und das Mindset  für eine digitale Zukunft besitzen. Als Kombination von Skills und Mindset sieht Prof. Dr. Kollmann dabei  verschiedene Typen vom „Digital Beginner“ bis hin zum „Digital Visionär“. Es gibt seiner Ansicht nach  in jedem größeren Unternehmen eine Vielzahl verschiedener digitaler Typen. Wichtig sei es diese “mitzunehmen”, ständige Weiterbildung oder auch das life-long-learning  werde daher immer wichtiger.  Die Digitalisierung ist für Prof. Dr. Kollmann ein Veränderungsprozess, den Unternehmen nicht umgehen können. Er berichtet, dass selbst in vielen Konzernen aktuell kein „digital Leader“ zum Vorstand gehöre, bzw. eine derartig vergleichbare Position erst geschaffen wurde. Für Konzerne und auch kleine und mittlere Unternehmen (KMU) sei es daher aus strategischer Sicht ratsam ein digital Leader mit Entscheidungskraft in den eigenen Reihen zu haben - nur so könnten Unternehmen der digitalen Transformation erfolgreich begegnen.

Nach den zwei Impulsvorträgen folgte die Podiumsdiskussion, welche von Sebastian Schulze moderiert wurde. Das Publikum bekam auch die Möglichkeit, sich in die Diskussion einzubringen. Zu den beiden Referenten kamen Margit Haupt-Koopmann, Michael Fröhlich, Dr. Thilo Rahlfs und Uwe Polkaehn auf die Bühne und diskutierten zunächst die Themen der beiden Impulsvorträgen. Dass die Thematik des Fachworkshops bei dem Publikum auf großes Interesse stieß, zeigte sich anhand der Vielzahl von Fragen an alle Referierenden. Tenor vieler Fragen war es, wie für Unternehmen Anreize geschaffen werden können, um den digitalen Wandel mitzugestalten. Die praxisnahen Beispiele von Frau Driemeier schienen dabei einige Unternehmer im Publikum selbst so erlebt zu haben. Ein Vorschlag der Referierenden war, eine Weiterbildungsinitiative in  Schleswig-Holstein zu starten, um bei Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber ein Fundament für die digitale Transformation zu schaffen. Die Weiterbildung sei dabei eine Investition in die Zukunft. Die Teilnehmenden der Podiumsdiskussion sind sich sicher: Auf lange Sicht wird die Digitalisierung auch Einflüsse auf die Bildungseinrichtungen haben und diese verändern.  

Im Anschluss an die Vorträge folgte die Podiumsdiskussion

Einige Stimmen aus dem Publikum erwähnten, dass sie sich einen Impuls für einen  “ersten Schritt” wünschten, was ihnen bei der Entscheidung ein Unternehmen digital aufzustellen helfen würde. Es herrschte auf dem Podium dahingehend Einigkeit, dass das Land Schleswig-Holstein für den digitalen Wandel weitere Fördermöglichkeiten und Weiterbildungsinitiativen schaffen sollte, um digitaler Vorreiter zu werden.

Im Anschluss an die Podiumsdiskussion verabschiedete der Roboterjunge Max die Gäste und eröffnete das Buffet. Viele Teilnehmende nutzten im anschließenden Get-together noch einmal die Möglichkeit mit den Referierenden und Vertreterinnen und Vertretern aus Verbänden und Unternehmen ins Gespräch zu kommen und Erfahrungen auszutauschen. 

Die gelungene Veranstaltung neigte sich dann gegen 21 Uhr dem Ende zu. 

Wir bedanken uns an dieser Stelle bei den Projektpartnern des KoFW, die diesen Fachworkshop möglich gemacht haben, den Referierenden mit ihren spannenden Impulsvorträgen, unseren willkommenen Gästen in der Podiumsdiskussion, Sebastian Schulze für die gelungene Moderation mit seinem ungewöhnlichen Co-Moderator Max und schlussendlich den Teilnehmenden für das Interesse und die Fragen während der Podiumsdiskussion.